Globe Theatre London - Eine kleine Entstehungsgeschichte

 

 

‚And shall this cockpit hold the vasty fields of France
Or may we cram within this wooden O...’
Henry V.

 

 

 

Shakespeares Theater
Als Shakespeare geboren wurde, gab es zwar schon professionelle Schauspieler, aber keine Spielhäuser. Das erste dauerhafte Theater wurde 1576 unter dem Namen „The Theatre“ eröffnet, bald darauf folgten weitere. Im Theatre spielte auch Shakespeares Theatergruppe von 1594 bis 1597, bis der Pachtvertrag auslief und sie für zwei Jahre in „The Curtain“ umzogen. In diesen beiden Schauspielhäusern feierten unter anderem Romeo and Juliet sowie The Merchant of Venice Premiere. Auch wenn es zu jener Zeit noch viele andere Dramaturgen gab, von denen noch knapp 500 Stücke erhalten sind, so hat Shakespeare mit seinen mindestens 38 Stücken doch die größte Nachhaltigkeit bewirkt.
Bankside
Bankside – das Gebiet südlich der Themse und westlich der London Bridge – galt als eines der größten Vergnügungsviertel in Shakespeares London. Dafür sorgten neben den freien Plätzen und schönen Gärten vor allem die zahlreichen Spiel- und Vergnügungseinrichtungen, die hier völlig legal existieren konnten, weil das Gebiet außerhalb der „city authorities“ lag.
1587 baute Philip Henslowe das erste Theater in Bankside – das „Rose“ wurde ein voller Erfolg. Das Fassungsvermögen von 500 stehenden Zuschauern vor der Bühne und 1100 Sitzplätzen in den Rängen reichte bald nicht mehr aus: 1592 wurde das Rose nicht nur um mehr Plätze erweitert, sondern erhielt auch ein Dach über der Bühne, so dass die Schauspieler und ihre kostbaren Kostüme bei Regen nicht mehr nass werden konnten. Shakespeares Henry VI Part Two und Titus Andronicus feierten im Rose ihre Premiere.
Die Entstehung des Globe-Theatre
Nachdem der Pachtvertrag für das Grundstück vom „Theatre“ ausgelaufen war, spielte Shakespeares Gruppe zwei Jahre lang im „Curtain“, was jedoch eine kostspielige und zugleich zu kleine Lösung war. Also verkauften die ehemaligen Besitzer des Theatre Anteile an dem alten Gebäude, um mit diesem Geld neues Land zu pachten und aus den Teilen des alten Theaters ein neues Schauspielhaus zu errichten. So entstand in Bankside, sehr nahe beim „Rose“, das „Globe Theatre“.
Bereits kurz nach der Eröffnung, im September 1599, besichtigte der Schweizer Reisende Thomas Platter das Globe und berichtete:
‚After dinner, about two o’clock, I went with my companions over the water, and in the thatched playhouse saw the tragedy of the first Emperor Julius with at least 15 characters, very well acted. At the end of the performance, they danced according to their custom, with extreme elegance... The places are so built, that they play on a raised platform, and every one can well see it all. There are, however, separate galleries and there on eis more comfortable, and moreover can sit, but one pays more for it. Thus anyone who stays in the yard pays only one English penny: but if he wants to sit he is let in at a further door and there he gives another penny. If he desires to sit on a cushion, in the most comfortable place of all... then he gives yet another penny.’
Das Besondere am Globe war von Anfang an, dass es durch die Anteilschaft im Besitz von Schauspielern war und dementsprechend auch die Gestaltung in ihren Händen lag. Dadurch konnten sowohl die Schreiber als auch die Schauspieler entscheidend auf das Gebäude und die Räumlichkeiten mit einwirken: Alle Entscheidungen, die über die Größe der Bühne oder die Nähe zu den Zuschauern gefällt wurden, entstanden also vor dem Hintergrund eigener Bühnenerfahrungen.
Die Zuschauer
In Shakespeares England gab es große Klassenunterschiede in der Gesellschaft –und die spiegelten sich auch im Theater wider: Der günstigste Platz befand sich auf dem Boden direkt vor der Bühne – einen Penny zahlten die „Groundlings“ für ihren Theaterbesuch. Für einen weiteren Penny konnte man im Rang sitzen, für noch mehr Geld gab es die besseren Sitzplätze. Insgesamt passten etwa 3000 Zuschauer ins Globe – dann saßen sie aber auch sehr eng aneinander gepresst.
Die Atmosphäre im damaligen Globe ist mit der heutigen nicht zu vergleichen: Der Geruch des Knoblauchbrots, das die Groundlings gerne mit in die Vorstellung nahmen, zog durch den Innenraum. Die Snackverkäufer liefen mit ihrem Bauchladen während der Vorstellung durchs Publikum und verkauften Flaschenbier, Nüsse, Äpfel und Birnen. Toiletten hingegen gab es im Globe sehr wahrscheinlich keine – es wird zwar vermutet, dass es am Ende der Ränge Eimer gab – die nächsten „privies“ aber gab es wahrscheinlich erst an der Themse.
Das Ende des ersten Globe-Theatre
Am 29. Juni 1613 war das Globe Theatre ausverkauft bis auf den letzten Platz: Die dritte Aufführung von Shakespeares neuem Stück All Is True stand auf dem Programm und nachdem die ersten beiden Aufführungen große Erfolge gewesen waren, war die Vorfreude bei allen spürbar. Shakespeares Schauspielgruppe „The King’s Men“ hatte sich etwas ganz Besonderes überlegt und nicht nur auf teure Kostüme und eine kostbare Bühnenausstattung geachtet, sondern sich auch diverse „Spezialeffekte“ überlegt. Einer von diesen schlug allerdings fehl: Die Kanone, die in der vierten Szene gezündet wurde, war zwar nicht mit einer Kanonenkugel, sondern bloß mit Watte gefüllt – aber gerade das wurde ihr zum Verhängnis. Die Watte fing Feuer, landete als Feuerball auf dem reetgedeckten Dach und setzte dieses in Brand. Nachdem die Zuschauer erkannt hatten, dass das Feuer wohl kein Bestandteil des Stücks, sondern Realität war, verließen sie mit 3000 Menschen das Theater durch gerade einmal zwei Ausgänge. Was nach heutigen Sicherheitsvorstellungen unmöglich wäre, schien damals kein Problem: Es gelang nicht nur, alle Menschen unverletzt aus dem Gebäude zu bekommen, sondern auch, die kostbaren Skripte und Kostüme zu retten.
Das zweite Globe Theatre
Shakespeares Schauspielgruppe musste nach dem Brand eine Entscheidung treffen: Sollte man ganzjährig im „Blackfriars“ spielen, das man sonst für Aufführungen in den Wintermonaten nutzte, oder sollte man für die Sommermonate ein neues Theater bauen? Die Schauspieler entschieden sich für die zweite Variante und bauten das Globe noch einmal auf – zwar auf den ursprünglichen Grundrissen, aber mit einem sehr viel größeren Dach.